Attraktion
Dicke Berta
Das historische Volksfestgeschäft „Dicke Berta“ ist ein klassischer Kraftmesser. Benannt wurde es nach dem gleichnamigen Geschütz aus dem Erster Weltkrieg, dessen Produktion im Jahr 1914 begann. Das grundlegende Funktionsprinzip des Geschäfts reicht jedoch noch weiter zurück und orientiert sich an sogenannten „Buren Kanonen“, die bereits um 1900 auf Jahrmärkten verbreitet waren.
Heute sind nur noch zwei Exemplare dieses selten gewordenen Schaustellergeschäfts bekannt, die nur noch auf Volksfeste in Bayern anzutreffen sind.
Ein Exemplar befindet sich auf dem Nürnberger Volksfest. Dieses wurde optisch an die „Dicke Berta“ aus den Don Camillo und Peppone-Filmen angelehnt.
Im Jahr 2020 wurde das Geschäft dem heutigen Besitzer Andreas Wittmann angeboten, der es anschließend mit großer Sorgfalt restaurierte und modernisierte. Dabei erhielt die Anlage sowohl zeitgemäße Technik als auch eine überarbeitete Optik. Seitdem ist sie ein fester Bestandteil des Nürnberger Volksfests und erweckt ein Stück Schaustellertradition neu zum Leben.
Das zweite bekannte Exemplar steht auf der „Oiden Wiesn“, dem historischen Bereich des Oktoberfest in München. Diese Anlage wurde 1923 von Ludwig Wittmann erbaut und im Jahr 2011 von seinem Urenkel Nino Zimmermann restauriert. Bis heute wird sie von ihm betrieben und gehört zu den nostalgischen Attraktionen.
Funktionsweise:
Bei der „Dicken Berta“ auf der Oiden Wiesn muss eine schwere Kanonennachbildung auch genannt (Schlitten) durch Muskelkraft auf einer Schiene die steil nach oben geht, geschoben werden. Ziel ist es, möglichst viel Kraft aufzubringen und die Kanone so weit wie möglich nach oben zu bewegen – ähnlich dem Prinzip eines klassischen „Hau den Lukas“.
Während die historische Version in München konstruktionsbedingt eine klare Grenze hat, erlaubt die Nürnberger Anlage mit ihrem schließbaren Looping theoretisch eine unbegrenzte Anzahl an Umdrehungen. Je kräftiger und schneller der Stoß, desto mehr Loopings können erreicht werden. Durch dieses System ist es möglich, sich kontinuierlich zu steigern und eigene Rekorde zu übertreffen.
Anleitung:
Gewertet wird die Anzahl der erfolgreich absolvierten Loopings innerhalb eines Versuchs. Jeder Spieler hat drei Versuche; der beste davon zählt.
Der aktuell bekannte Höchstwert liegt bei sieben Loopings. Bereits bei fünf Loopings hat der Spieler 1x Freie Ausswahl.
Durch diese Spielweise ist die Nürnberger „Dicke Berta“ die technisch anspruchsvollere und komplexere der beiden Anlagen.
„Beide Anlagen sind auf ihre Weise etwas Besonderes und haben jeweils ihren eigenen Charme.“
Insgesamt ist die „Dicke Berta“ ein traditionsreiches Schaustellergeschäft, das über Jahrzehnte hinweg Teil der Volksfestkultur war. Aufgrund ihrer Seltenheit sowie der Verbindung aus historischer Technik und spektakulärer Mechanik stellt sie heute eine besondere Attraktion dar.
